Die Pazifisten von gestern

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Auseinandersetzungen mit Pazifismus und Forschung, Wissenschaft und Moral sind kein veraltetes Phänomen, die in die Zeit der Studentenunruhen der 68er und des Vietnamkriegs zu verorten sind. Auch in Augsburg wird, wie an anderen deutschen Hochschulen auch, seit einiger Zeit debattiert, ob die Universität eine Zivilklausel einführen sollte oder nicht. Eine Zivilklausel legt fest, dass an der Universität nur Forschung für zivile Zwecke betrieben werden darf, d.h. an der Entwicklung von Technologien für Militär und Rüstungsindustrie nicht beteiligt ist. Auslöser dieser Debatte ist die Planung eines „Innovationsparks“ im Süden Augsburgs, nahe der Universität. Diesbezüglich lud der AStA am 16.05. sildenafil normal dosage zu einer Podiumsdiskussion mit Vertretern und Skeptikern des Projekts ein.

Karl Bayerle aus dem Wirtschaftsreferat und Vertreter des „Innovationsparks“ stellte zunächst das Projekt vor, welches auf einer Fläche von 70 Hektar verschiedene Firmen aus Bereichen wie Fahrzeugbau, Luftfahrt und Leichtbau für eine effiziente Zusammenarbeit logistisch sinnvoll ansiedeln will. Ziel sei es, so Bayerle, den Produktionsstandort Augsburg zu stärken, ein überregional anerkanntes Ressourcenmanagement zu erhalten und das regionale Wachstum durch vorhandenes Wissen vor Ort, ergo durch Zusammenarbeit mit der Universität, anzukurbeln. Rainer Erben aus dem Stadtrat und Parteimitglied der „Grünen“ forderte in diesem Zusammenhang eine gesellschaftliche Debatte zum Thema „Ressourceneffizienz“ – ein Wort, das den Abend ebenso bestimmte wie der Begriff „Dual Use“, welcher für Technologien sowohl zur zivilen als auch militärischen Nutzung steht. Erben forderte, dass die Auseinandersetzung nicht allein im Stadtrat stattfinden, sondern institutionsübergreifend geführt werden sollte, um zu klären, was die Aufgabe öffentlicher Forschung sei und was privater Initiative unterliege. Auch Alexander Süßmair von der „Linken“ teilte diese Auffassung, da das Projekt schließlich aus öffentlichen Geldern finanziert werde und man nicht wolle, dass daraus lediglich „ein besseres Gewerbegebiet“ entstehe. Neben den beiden Vertretern des Stadtrats traten auch Peter Feininger und

Karin Berger-Fuchs vom „Fachforum Nachhaltige Stadtentwicklung“ für einen Gesellschaftsdiskurs zum Thema Zivilklausel ein. Beide diskutierten während des Abends vehement gegen die Geheimhaltung von Informationen der sich niederlassenden Firmenpartner durch die Stadt und den Wirtschaftsrat und appellierten an die Universität und die Studierenden, das erworbene Wissen viagra cialis trial pack nicht an die Rüstungsindustrie zu verschwenden. Feininger zählte zu Beginn einige Beispiele für Firmen auf, die bereits ein Grundstück des „Innovationsparks“ erworben haben cialis free coupon und an der Unterstützung des Militärs beteiligt sind, so z.B. Premium Aerotec, ein Unternehmen, das bereits an der Konstruktion des A400M, einem militärischen Transportflugzeug, mitgearbeitet hat. Ebenso prangerte er die Nähe zum alten Flugplatz und der damit verbundenen Geschichte der Messerschmidtwerke an, die zu den wichtigsten Rüstungsbetrieben im Dritten Reich gehörten. Des Weiteren äußerte er Bedenken gegenüber der Position Manfred Hirts als Sprecher des

Kompetenzrats des Innovationsparks, da dieser in Frankreich bereits wegen Geschäften mit der Rüstungsindustrie verurteilt wurde. Professor Dr. Christoph Weller, Lehrstuhlinhaber für Friedens- und Konfliktforschung, agierte nicht nur als Moderator, sondern auch als Vertreter der Universität, denn er sprach schließlich an, was wohl allen im Publikum durch den Kopf ging: Welche Rolle die Universität in diesem Zusammenhang ganz genau spielen solle und wer die finanziellen Mittel bereitstellen würde, um auf der einen Seite den (zeitlichen) Rahmen für einen Diskurs zu gewährleisten und auf der anderen die betreffenden Lehrstühle in ihrer Arbeit und Forschung zu fördern. Die ca. 20 anwesenden Studenten klatschten kräftig Beifall. Eine genaue Antwort auf die Frage ließ jedoch auf sich warten. Stattdessen merkte Rainer Erben an, dass er es für wünschenswert hielte, wenn die Präsidentin, die aus den Gesellschaftswissenschaften komme, einen Diskurs zur Zivilklausel an ihrer Universität einleiten würde.

In der Diskussion mit dem Publikum äußerten die meisten Studierenden, dass es ihnen

vor allem um den Punkt „Freiheit in Forschung und Lehre“ ginge. Ein Physiker war der Meinung, es wäre unmöglich, viagra sildenafil side effects Forschung und Etablierung in der freien Marktwirtschaft zu trennen, die Frage nach Moral läge bei jedem Einzelnen. Auch eine andere Studentin sprach an, dass ihr Wissen ihr Kapital sei und warum es denn noch keine grundlegenden Bestrebungen gebe, die Universität von der Wirtschaft unabhängig zu machen. Schließlich forderte ein Student, dass man keinen Appell der Moral an jeden Einzelnen stellen solle, sondern dass eine gesamtgesellschaftliche Erwartung an die Universität und an die Lehrstühle formuliert werden müsse.

Genau diese Forderung wurde bisher noch nicht erfüllt. Wie genau die Zusammenarbeit im Detail mit der Universität aussehen soll, wie diese finanziert wird und inwiefern die Studierenden und Forschenden damit zu „Handlangern der Rüstungsindustrie“ (Alexander Süßmair) werden könnten, bleibt vorerst noch offen. Jedoch war an diesem Abend spürbar, dass da nicht nur ein paar Vertreter der Stadt saßen, sondern auch Pazifisten, die stets betonten, dass sie nicht vorschreiben, sondern hinweisen wollen: Seid nicht blauäugig! Den Studierenden sollte dabei wohl hoffentlich im Zuge der Debatte einiges klargeworden sein: Die Freiheit in Forschung und Lehre muss selbstverständlich Priorität haben. Aber sollte man die Zivilklausel in dem Zusammenhang als Beeinträchtigung dieser Freiheit sildenafil vencido sehen? Schließlich dient die Forschung stets bestimmten Zwecken und Zielen. Sollte da nicht Vorsorge getroffen werden, dass diese in einem moralisch unbedenklichen Rahmen bleibt, ergo zivilen Zwecken dient? Denn welche moralische Entscheidung jeder Einzelne bei der Wahl seines zukünftigen Arbeitsplatzes wählt, sollte nicht im Zusammenhang stehen mit der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung, die eine Bildungsinstitution mit Vorbildcharakter trägt. Eine Universität sollte stets einen Gegenpart bilden zu einer von wirtschaftlichen Interessen dominierten Gesellschaft.