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HomosexualitAi??t ai??i?? eine gewAi??hnliche, lAi??ngst in die Gesellschaft integrierte sexuelle Orientierung oder immer noch ein Tabu? Die einen haben schwule und lesbische Freunde und Verwandte und sehen darin etwas genauso AlltAi??gliches wie HeterosexualitAi??t, die anderen reagieren immer noch mit Distanz oder sogar Feindseligkeit. Dass das Thema auch an der Uni Augsburg prAi??sent ist, zeigt das sogenannte Rosa Brett, an dem sicher jeder schon Ai??fters vorbeigelaufen ist. Das Skript wollte herausfinden, was dahinter steckt und redete mit Martin Frieb, der seit vier Jahren gewAi??hlter Schwulenreferent ist, A?ber Toleranz, das Coming-Out und die immer noch vorhandenen Probleme, mit denen man als Schwuler zu kAi??mpfen hat.

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SKRIPT: Was genau ist denn das Schwulenreferat der UniversitAi??t Augsburg?

MARTIN FRIEB: Das Schwulenreferat ist ein Referat des Allgemeinen Studierendenausschusses, genauso wie die Referate fA?r Frauen und Lesben, das Internationale, das Umwelt- und Gesundheitsreferat, das Unikino und so weiter. Diese Referate werden jedes Jahr neu vom studentischen Konvent als dem Legislativorgan der Studierenden beschlossen, da sie als wichtig erachtet werden.

SKRIPT: Und was genau sind dessen TAi??tigkeiten?

MARTIN FRIEB: Ich bin studentischer Vertreter und Ansprechpartner bei Fragen und Problemen fA?r alle Schwulen an der Uni, wobei man ai??zstudentischai??? in dem Fall in Klammern setzen muss, weil ich eigentlich auch fA?r Mitarbeiter Ansprechpartner bin, da die keine solche Anlaufstelle haben. AuAYerdem organisiere ich Veranstaltungen fA?r Schwule zum Informieren und Austauschen, InfostAi??nde, um Toleranz zu fAi??rdern und Akzeptanz zu stAi??rken. Ich bin Ansprechpartner zu Fragen bezA?glich des Coming-Out, was eigentlich eine sehr wichtige Sache ist, weil viele Leute wenn sie mit studieren anfangen das erste Mal weg von zu Hause in einer groAYen Stadt, in dem Fall Augsburg, sind. Viele kAi??nnen zu Hause nicht die sein, die sie sind und sind dann in Augsburg erstmals frei und kAi??nnen ihre schwule Seite ausleben. Musterartikel mit Bildern im Text Dann ist es gut, wenn es jemanden gibt, an den sie sich wenden kAi??nnen. AuAYerdem betreue ich das Schulprojekt, wo auch viele Leute von der Gruppe des Queer Uni Treffs dabei sind. Gemeinsam gehen wir in Schulen um dort AufklAi??rung zu leisten und zu zeigen, dass Schwule und Lesben auch nur Menschen sind. Zur ToleranzfAi??rderung sind wir in der Uni vielleicht teilweise schon zu spAi??t dran, weil viele dann schon sehr stark geprAi??gte Vorurteile in ihrem Kopf haben. Deswegen gehen wir auch an die Schulen und erwischen die Jugendlichen, noch bevor sie an die Uni kommen.

SKRIPT: Was ist denn aktuell die politisch korrekte Bezeichnung fA?r Homosexuelle?

MARTIN FRIEB: Wir sind eigentlich zufrieden wenn man uns schwul beziehungsweise lesbisch nennt. Es gibt natA?rlich auch noch bi- und transsexuell. Wir sind vielfAi??ltig, wir sind Menschen.

SKRIPT: Was schAi??tzt du, wie viele Homosexuelle es momentan an der Uni Augsburg gibt?

MARTIN FRIEB: Man geht davon aus, das in der allgemeinen BevAi??lkerung ca. fA?nf Prozent schwul oder lesbisch sind, also sollten es an der Uni Augsburg bei 17 500 Studierenden schon ein

paar Hundert sein.

SKRIPT: Und wie viele haben sich davon schAi??tzungsweise schon geoutet?

MARTIN FRIEB:

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Gute Frage, man sieht oft nur die, die es auch sagen und noch ein paar, bei denen man es sich denkt. Geoutet ist auch sehr allgemein gesprochen, manche outen sich nur bei den Eltern, andere nur bei den Freunden, andere stehen auch vor ihrem ganzen Umfeld dazu, in ihrer Vorlesung, in ihrem Seminar, in der Schule und so weiter und haben auch da kein Problem damit.

SKRIPT: Wenn du es dir bei manchen denken kannst, woran merkst du das denn?

MARTIN FRIEB: Man sagt, dass es Schwulen leichter fAi??llt, Schwule zu erkennen. Vielleicht weil man die Blicke wahrnimmt oder Ai??hnliches durchgemacht hat. Oder weil man merkt, dass jemand nie von Frauen spricht oder auf die Frage, ob er eine Freundin hat, immer ausweicht. Es gibt also gewisse Indizien, aber manchmal irrt man sich auch, was dann ein bisschen peinlich ist. Selbst in meinem Heimatdorf schwirren mehr Schwule herum, als man denkt.

SKRIPT: Auf was fA?r Reaktionen stAi??AYt man denn so in der Regel beim Coming-Out?

MARTIN FRIEB: Man hofft natA?rlich auf Akzeptanz. Es passiert auch, dass Leute A?berfordert sind oder dass Leute erst einmal einen Schritt zurA?ck gehen. Sie mA?ssen dann bereit sein, ihre eigenen Vorurteile zu A?berwinden und zu sehen, dass man immer noch der gleiche Mensch ist. Bei Eltern ist das natA?rlich nochmal schwieriger, weil sie in einer anderen Generation groAY geworden sind. Der Paragraph 175, nach dem Schwule teilweise noch ins GefAi??ngnis gekommen sind, wurde erst 1994 endgA?ltig abgeschafft.

SKRIPT: Wie groAY ist denn die aktuelle Toleranz und Akzeptanz, gerade in einem katholisch-konservativen Freistaat wie Bayern?

MARTIN FRIEB: Das wA?rde ich nicht einmal nur auf Bayern beschrAi??nken. Wenn ich mit meinem Freund Hand in Hand durch die StraAYen gehe, wie es ein heterosexuelles PAi??rchen auch tun wA?rde, dann zieht man die Blicke auf sich. Manchmal wird man angeguckt wie das achte Weltwunder. Alte Leute sind manchmal sogar richtig fassungslos. Sagen tun aber nur sehr wenige etwas, das sind dann meistens pubertierende Jugendliche. Aber die Blicke sind die gleichen, egal ob man durchs Dorf, durch Augsburg oder durch eine Weltstadt geht.

SKRIPT: Glaubst du, dass die Akzeptanz an der Uni grAi??AYer ist, als an bildungsfernen Orten?

MARTIN FRIEB: Die niedrigere Akzeptanz kann natA?rlich auch einfach an der Dorfgemeinschaft liegen, die hAi??ufig noch nicht so weit ist. An der Uni sind die Leute vielleicht doch eher bereit, nachzudenken, ihre Vorurteile zu A?berdenken. Andererseits gibt es auch Leute, die es als Pflicht sehen, politisch korrekt zu sein und ihre eigentliche Meinung dabei verstecken. Gerade deshalb ist es auch wichtig, dass wir sichtbar sind, denn eigentlich jeder, der Schwule als normale Menschen kennt, hat auch kein Problem damit. Die verrA?ckten Exemplare, bei denen jeder gleich sieht, dass sie schwul sind, sind schlieAYlich auch eher nur ein kleiner Teil. Aber leider gibt es auch an der Uni schwulenfeindliche Leute, das sieht man zum Beispiel daran, dass Plakate von meinen Veranstaltungen gezielt zerstAi??rt werden oder sogar Kommentare darauf geschrieben werden. Das passiert mit anderen Plakaten nicht.

SKRIPT: Wie Ai??uAYert sich Homophobie sonst

im zwischenmenschlichen und gesetzlich-institutionellen Kontext?

MARTIN FRIEB: Im zwischenmenschlichen wie gesagt dadurch, dass die Leute erst einmal auf Abstand gehen oder denken, dass plAi??tzlich ein ganz anderer Mensch vor ihnen steht. Im gesetzlichen Kontext kann man zwar eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Damit hat man zwar dieselben Pflichten wie in einer Ehe, aber nicht dieselben Rechte. Das Bundesverfassungsgericht ist dabei immer wieder mit VerstAi??AYen gegen Artikel drei, der die Gleichbehandlung thematisiert, beschAi??ftigt. Zwar steht im Grundgesetz, dass die Ehe privilegiert ist, aber das heiAYt nicht, das andere Lebensformen nicht auch privilegiert sein dA?rfen. Man argumentiert, dass eine Ehe ja die Grundlage fA?r Kinder ist, aber es gibt genug kinderlose Ehen, die trotzdem Privilegien genieAYen.

SKRIPT: Kann denn HomosexualitAi??t im Studium oder spAi??ter auch im Beruf ein Hindernis sein?

MARTIN FRIEB: NatA?rlich. Es gab zum Beispiel erst neulich den Fall einer Person, die katholisches Lehramt studiert und sich fragt, ob ihr die Lehrerlaubnis entzogen werden kAi??nnte, wenn auffAi??llt, dass sie in einer homosexuellen Partnerschaft lebt. Der Person wurde empfohlen, diese Tatsache zu verschweigen. In der evangelischen Kirche ist das leichter, allerdings gibt es dort auch sehr konservative Gruppen.

In meinem Berufsfeld Informatik gehe ich davon aus, dass es weniger Probleme geben sollte, weil man allgemein gesprochen sagen kann, dass es den Leuten im technischen Bereich meistens egal ist, obwohl es da auch solche und solche gibt. SpAi??ter im Beruf kann es natA?rlich schon sein, dass ich gerade gegenA?ber einem Ai??lteren Chef meine HomosexualitAi??t schon verschweigen wA?rde, wodurch ja eine gewisse Diskriminierung da wAi??re. HomosexualitAi??t ist leider nicht nur das, was im Bett stattfindet und deshalb niemanden was angeht. Es hAi??ngt noch ein ganzer Rattenschwanz daran. Ich muss mich zum Beispiel vor der Gesellschaft rechtfertigen, warum ich denn nicht von meiner Freundin erzAi??hle, warum ich keine Familie mit Kindern grA?nde, warum mein Freundeskreis mehr Schwule oder Lesben enthAi??lt als bei Heterosexuellen. Es ist einfach vieles ein bisschen anders.

SKRIPT: Wie kAi??nnte man denn gegen diese Probleme

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vorgehen?

MARTIN FRIEB: Ein Ansatz ist natA?rlich unser Schulprojekt. Auch hilfreich ist es, dass wir sichtbar sind. Denn wenn jeder Schwule oder Lesben kennt, wird er sehen, dass wir auch nur Menschen sind. Manchmal kAi??mpft man aber auch gegen WindmA?hlen. Besonders konservative Glaubensgruppen sind da natA?rlich immer noch schwierig.

SKRIPT: Ist denn ein christlicher Glaube auch mit HomosexualitAi??t vereinbar?

MARTIN FRIEB: Wir hatten dazu einen evangelischen Theologen eingeladen, der auch in der Ai??kumenischen Arbeitsgemeinschaft ai??zHomosexuelle und Kircheai??? aktiv ist, die sich aktiv damit beschAi??ftigt, wie man Glaube und Schwulsein miteinander vereinen kann. Es gibt auch mehrere andere Vereine, die sich damit beschAi??ftigen. Eigentlich ist das kein Gegensatz, man kann durchaus nach christlichen Werten leben und dennoch schwul sein. Das ist kein Widerspruch, wird aber eben von manchen als Widerspruch gesehen. Gott hat mich so geschaffen wie ich bin.

SKRIPT: Was wA?rdest du einem Homosexuellen raten, dessen Familie seine Orientierung in keinster Weise akzeptiert?

MARTIN FRIEB: Ausziehen. Wir haben mehrere solche FAi??lle betreut. Einer ist ab dem Outing von seiner Familie ignoriert worden, bei einem anderen haben wir spontan seinen Auszug organisiert, als wir gesehen haben, dass wir ihn in sein Umfeld zu Hause nicht zurA?ckschicken kAi??nnen. Man sollte Abstand schaffen und schauen, ob man mit den Leuten reden kann. Wenn ihre Vorurteile A?berwiegen, dann kann man sich leider nur von den Leuten fernhalten. Wenn sie aber bereit sind, ihre Position zu A?berdenken und zu sehen, dass das immer noch der gleiche Mensch ist, dann bestehen gute Chancen, auch wieder zusammenzufinden.

SKRIPT: A?berwinden denn auch viele solcher Eltern schlieAYlich ihre Vorurteile?

MARTIN FRIEB: Meistens schon. Ich mAi??chte niemandem den Mut nehmen, sich zu outen, im Gegenteil, es ist sehr gut und wichtig. Es gibt aber sehr selten auch extreme FAi??lle und da ist es gut, wenn sie jemanden haben, an den sie sich wenden kAi??nnen. Sich verstecken kostet viel Kraft und Anstrengung. Einige verdrAi??ngen vielleicht auch ihre eigene HomosexualitAi??t, weil sie damit nicht klarkommen und das sind dann oft die grAi??AYten Schwulenhasser, weil sie diesen Teil von sich selbst hassen und diesen Hass auch nach auAYen bringen.

SKRIPT: Was kannst du von deinen persAi??nlichen Erfahrungen berichten?

MARTIN FRIEB: Ich habe mich bereits in der Schule geoutet, nachdem ich es zunAi??chst verleugnet hatte. Doch meine Klasse hat mich weitgehend unterstA?tzt und akzeptiert. Dann waren meine Eltern dran. Mein Vater hat es recht schnell akzeptiert, meine Mutter ist sehr katholisch und sah erst einmal ein grAi??AYeres Problem darin. Sie meinte, ich mA?sse erstmal alles ausprobieren. Ich erklAi??rte ihr, dass dem nicht so ist ai??i?? man weiAY, wem man hinterherguckt. Zu ihrer Sorge AIDS sagte ich, dass HeterosexualitAi??t keinen Schutz bietet, sondern dass vor allem ein vernA?nftiger Umgang wichtig ist. Ich versorgte sie mit Infomaterial fA?r

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die Eltern von homosexuellen Kindern und das half ihr, mich zu verstehen (ai??zHeterosexuell? Homosexuell? www.bzga.de). Als ich dann meinen ersten Freund kennengelernt und meinen Eltern vorgestellt habe, haben sie gesehen, dass er auch ein ganz normaler Mensch ist und dann war alles kein Problem mehr. Meinen GroAYeltern haben wir es erst einige Jahre spAi??ter gesagt. Ein groAYes Problem gibt es nicht und mein Freund gehAi??rt auch zur Familie.

Dann habe ich eine Weile in einer schwul-lesbischen Jugendgruppe in Augsburg mitgewirkt und als der AStA einen Schwulenreferenten gesucht hat, bin ich schlieAYlich hierhergekommen.

SKRIPT: Vielen Dank fA?r das GesprAi??ch.